222 Millionen Euro! Diese Summe kursierte in den letzten Wochen im Zusammenhang mit dem Transfer von Neymar von Barcelona nach Paris in den Medien. Doch wie konnte Paris das „Financial Fairplay“ umgehen? Und welche Rolle spielt Nike bei dem Transfer von Neymar? Ich habe versucht die wichtigsten Fragen zu klären…

So verlief der Transfer von Neymar – Fair? Play!

Das leidige Thema „Financial Fairplay“…

Gestern äußerte sich Jürgen Klopp zum Transfer von Neymar und dem System „Financial Fairplay“ wie folgt:

„Ich dachte eigentlich immer, Financial Fairplay wäre dafür erfunden worden, dass so etwas nicht geht, aber offensichtlich ist Financial Fairplay mehr so ein Vorschlag, als eine wirkliche Regel“

Doch was besagt diese seit 2011 bestehende „Financial Fairplay“ Regelung überhaupt? Dazu habe ich mich mal bei der UEFA informiert und folgende Eckpunkte herausfinden können:

  • Die Ausgaben dürfen nicht höher als die Einnahmen sein, allerdings…
  • …kann ein Investor ein Defizit von bis zu 30 Millionen Euro ausgleichen
  • Eine negative Differenz von 5 Millionen Euro ist auch ohne Investor akzeptabel
  • Investitionen in die Infrastruktur des Vereins werden nicht gewertet
  • Bei Verstößen droht der Ausschluss aus den europäischen Wettbewerben

Zurück zum Transfer von Neymar…

Der soll ja, wie ihr sicherlich wisst, 222 Millionen Euro Ablöse (Ausstiegsklausel) kosten und jährlich 30 Millionen Euro kassieren. Allein das Gehalt würde den Grundsatz des Financial Fairplays schon sehr hart verletzen, deshalb griffen die Beteiligten zu einem Taschenspielertrick um den Brasilianer nach Paris zu zaubern…

So verlief der Transfer von Neymar – Cheater!

Wer damals Spiele wie den Fußball Manager von EA gespielt hat, der kennt diesen Cheat, womit man plötzlich unendlich viel Kohle hat und einen mit Stars gespickten Kader aufstellen kann. Hier gibt es übrigens weitere Infos zum Fußball Manager (Comeback).

Dieses Game haben wohl auch die Drahtzieher im Transfer von Neymar genutzt, denn ohne eine ausgeklügelte Strategie hätte dieser Wechsel so niemals stattfinden können, aber man hebelte die Financial Fairplay Regelung ziemlich smart auf!

Die Kollegen von Eurosport haben dazu eine mega coole Grafik entworfen, welche ich wohl nicht besser hinbekommen hätte 🙂 Hier könnt ihr euch die Grafik auf Twitter anschauen

Transfer von Neymar Katar
Quelle: Eurosport Twitter

Heißt zusammengefasst, dass das Geld nicht von PSG direkt kommt, sondern aus Katar… Wobei das keinen Unterschied machen dürfte, denn PSG gehört zu 100% der katarischen Investorengruppe Qatar Sports Investments (QSI). Zudem ist QTA (Katars Tourismusbehörde) auch als Sponsor aktiv. Kritiker behaupten, dass solche Sponsorings einzig und allein dazu dienen, das Financial Fairplay aushebeln zu können.

QSI zahlte also 300 Millionen Euro auf das Konto von Neymar, damit er sich in Barcelona „freikaufen“ kann. Was mit der Differenz von 78 Millionen Euro passiert? Die darf der Brasilianer behalten, weil er als Botschafter für die WM 2022 in Katar auftreten wird.

Neymar selbst ist (selbstverständlich) ziemlich happy und optimistisch:

„Seit ich in Europa bin, war dieser Klub stets einer der ambitioniertesten. Das hat mich hierher geführt. Von diesem Tag an werde ich alles geben, um dem Verein zu den Titeln zu verhelfen, von denen die Fans träumen.“

Doch für welche Personen könnte der Transfer von Neymar ebenfalls lukrativ gewesen sein? Eine Spur führt natürlich zu seinem Vater, der seinen Sohn auch berät. Eine viel interessantere Spur führt nach Beaverton, Oregon, USA, wo sich das Hauptquartier von Nike befindet…

So verlief der Transfer von Neymar – Swooshed

Ja genau, die große Marke mit dem Swoosh könnte ebenfalls die Finger im Spiel haben. Nicht selten haben die großen Player wie adidas oder Nike Interesse daran, dass ihre Werbeikonen nicht für Teams von anderen Herstellern auflaufen…

Ein gutes Beispiel dafür sind Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, aber auch beim Transfer von James Rodriguez nach München tauchte dieses Phänomen auf:

Cristiano Ronaldo spielt für das von adidas ausgestattete Real Madrid, aber privat hat er einen Vertrag auf Lebenszeit mit Nike abgeschlossen. Im Fall Messi ist es genau umgekehrt, denn der Argentinier spielt zwar mit dem Nike Logo auf der Brust des FC Barcelona, aber auf seinen Füßen ist das Logo von adidas zu sehen. Diese Konstellation ist weder für Nike – noch für adidas – ideal, denn auf sämtlichen Bildern sind die Athleten mit dem Logo der Konkurrenz zu sehen.

Im Fall James Rodriguez konnte man eine solche Situation verhindern, denn der Kolumbianer mit einem Ausrüstervertrag bei adidas, wechselte von Madrid (adidas) nach München (adidas). Auch bei dem bisherigen Rekordtransfer von Paul Pogba verlief alles glatt für die Marke mit den drei Streifen. Denn „Pogboom“ verließ zwar das adidas-Team Juventus Turin, aber läuft auch in Manchester mit den drei Streifen auf Fuß und Brust über den Platz.

Da die großen Hersteller nicht wirklich wenig Geld für den Platz auf dem Trikot zahlen, dürfte es natürlich in ihrem Interesse liegen, wenn Stars wie Neymar zukünftig nicht im Trikot der Konkurrenz auflaufen würden. Ob die Brands einen Transfer – oder Teile des Gehalts – mitfinanzieren? Kann ich nicht sagen, aber der Verdacht liegt nahe! Ich glaube zu mindestens an ein nicht unbedeutendes Mitspracherecht bei den Verhandlungen!

Am Beispiel von Neymar läuft also alles perfekt für Nike, denn er wird auch in Paris mit dem „Swoosh“ aus Oregon auflaufen. Auch in den Länderspielen wird der Brasilianer in Nike auflaufen, denn die Selecao hat einen langjährigen Vertrag mit den Amerikanern abgeschlossen – Jackpot!

Zudem stand Neymar immer etwas im „goldenen Schatten“ von adidas Profi Lionel Messi, was in Paris nicht der Fall wäre, weil er dort der unangefochtene Megastar wäre!

So verlief der Transfer von Neymar – Neymals so viel wert

Auf dieses tolle Wortspiel habe ich mich schon 802 Wörter lang gefreut! Ist toll, oder? 🙂 Nun, jetzt möchte ich noch eben schnell meine Meinung zum Ausdruck bringen!

Ich halte die Summe – natürlich – für viel zu hoch! Dennoch gibt es ein großes ABER, denn es ist doch wie bei Sammlerstücken: Wenn jemand bereit ist den aufgerufenen Preis zu zahlen, dann ist es das Stück auch wert (jedenfalls aus der persönlichen Sicht heraus)!

In Sachen Vermarktung dürfte der Transfer von Neymar eine neue Stufe erreichen und wir können uns schon jetzt auf die volle Pulle Werbung (PSG, Katar und Nike) freuen – toll, oder? Wahrscheinlich werden noch einige Neymar JR. Schuhe folgen, welche ich euch dann natürlich zeigen werde. Ich meine: Der Typ hat einen Schuh mit Michael Jordan zusammen, was kein Messi, Ronaldo, Pogba, Ibra usw. von sich behaupten kann!

Mich würde auch eure Meinung zum Transfer von Neymar interessieren! Schreibt mir gerne eure Meinung in die Kommentare! 🙂

Ein stiller Leser, ist wie jemand im Stadion, der bei einem Sieg nicht jubelt. Das heißt nicht, dass es ihm nicht gefallen hat, aber es merkt auch niemand, dass er das Spiel genossen hat. Und wenn der Jubel ausbleibt, wird selbst eine so großartige Sportart wie der Fußball irgendwann aussterben.

Also ihr stillen Leser da draußen: Ich freue mich über jedes Like auf Facebook, jeden Kommentar unter meinen Beiträgen und jede Nachricht via Twitter oder Instagram. Mir ist wichtig, dass ich weiß, dass das „dasschoenespiel Stadion“ nicht leer ist 🙂

2 Kommentare

  1. Dass nenne ich mal einen gelungenen Artikel! Alle Infos die man braucht einfach dargestellt und ohne das ganze Drumherum wie bei den großen Zeitungen!

    Danke für deine tolle Aufstellung Phil! Ich finde die Summe auch total überzogen, aber wie du schon sagtest: es gibt immer Menschen, die bereit sind, solche Preise zu bezahlen. Trotzdem stelle ich mir die Frage wo das ganze hin soll? Kann man dann in Zukunft wirklich noch von Fußball sprechen? Ich mein, der Sport steht schon lange nicht mehr alleine im Fokus. Die Marketing-Maschinerie rückt immer weiter in den Vordergrund. Schade eigentlich.

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