Die Geschichte des Nike Mercurial – Teil 1: Ronaldo stirbt!

Wer den Bootscore auf dem DSS-Instagram-Kanal verfolgt, der wird noch vor den Achtelfinals der WM erkannt haben, dass das Rennen schon entschieden ist. Der Nike Mercurial rasiert und trifft wirklich alles. Grund genug also, die Geschichte des Nike Mercurial genauer unter die Lupe zu nehmen und die Evolution des mittlerweile 20 Jahre alten Schuhs aufleben zu lassen! Im ersten Teil: Der erste Mercurial und das mysteriöse WM Finale von 1998!

Die Geschichte des Nike Mercurial: Seit 1998 der beste Schuh für Stürmer

Um den Nike Mercurial hat sich in den letzten Jahren ein richtiger Hype entwickelt. Sollte uns das wundern? Um Gottes Willen, nein! Denn die Legende auf Stollen hat viele Attribute, die die Spieler seit einer gefühlten Ewigkeit schätzen. Zudem tragen und trugen etliche Megastars des internationalen Fußballs diese Schuhe, was den ganzen Prozess natürlich förderte.

Ronaldo war das erste Gesicht des Nike Mercurial

Angefangen hat die Mercurial-Mania im Jahr 1998. Damals gab es viele geniale Spieler, aber einer war der wohl vielversprechendste Kicker unter ihnen: Ronaldo Luís Nazário de Lima, oder kurz „Ronaldo„.

Damals noch zarte 21 Jahre jung und ein Talent, welches die Hoffnungen einer ganzen Nation lange Zeit auf den eigenen Schultern stemmen sollte und musste. Das erinnert ein wenig an Neymar, aber dazu kommen wir im Laufe dieser Serie. Zur WM 1998 bekam der Stürmer, welcher ein Jahr zuvor vom FC Barcelona zu Inter Mailand gewechselt war, von Ausrüster Nike eine Waffe geschenkt. Diese trug den Namen „Nike Mercurial“ und war quasi der erste richtige Highspeed-Schuh von Nike.

Der pfeilschnelle Ronaldo bekam also einen Schuh, der bis in die Gegenwart für Schnelligkeit und ein extravagantes Design steht. Vor 20 Jahren gab es zwar noch keine Technologien wie „Flyknit“ und der Schuh war für heutige Verhältnisse noch relativ schwer, aber er revolutionierte dennoch das komplette Game.

Aus dem Rennsport: Die Geburt des Nike Mercurial

Um einen solchen Highspeed-Boot entwerfen zu können, schaute sich Nike u.a. im Rennsport um, wo es ja einzig und allein um Geschwindigkeit geht. Damals lag der Fokus in Sachen Obermaterial noch auf Känguru-Leder, welches natürlich viel Gewicht auf die Waage brachte. Was tat Nike also? Sie ersetzten das schwere Leder durch ein synthetisches Obermaterial, genannt „KNG-100“. Der Vorteil? Klar, weniger Gewicht und keine Aufnahme von Wasser. Damit legte Nike schon vor 20 Jahren den Grundstein für die im Jahr 2018 so beliebten Synthetik-Boots. Die zweite große Veränderung war an der Sohle vorzufinden, welche von 3 mm auf 1,75 mm verdünnt wurde und somit schnellere Sprints ermöglichte. Zudem fügte man eine klebrige Beschichtung auf dem Upper hinzu, die dafür sorgen sollte, dass sich die Ballkontrolle verbessert. Woher diese Idee kam? Aus dem Chassis von Rennmotorrädern!

Die Optik war ebenfalls eine damals noch sehr gewöhnungsbedürftige Story, denn anstatt schwarzer Lederschuhe, verpasste Nike dem Mercurial eine auffällige Lackierung in Blau, Gelb und Silber.

Die Geschichte des Nike Mercurial
Foto: Nike

Vor einigen Jahren sagte Luca Bolpagni, welcher im italienischen Nike-Werk in Montebelluna beschäftigt war, folgendes zu den Innovationen:

„Zu dieser Zeit waren alle geschockt. Das aussehen, die materialien. die menschen wussten einfach nicht, was sie davon halten sollen. es war ein sehr aufregender moment.“

Geschichte des Nike Mercurial: Black Sunday

Das Ziel des neu erschaffenen Mercurials war klar: Der junge Ronaldo sollte mit seinen brasilianischen Kollegen den Titel in Frankreich holen und Nike somit für mindestens vier Jahre auf den Thron der (Sportartikel)Welt befördern. Erst zwei Jahre vor der Weltmeisterschaft in Frankreich schlossen Nike und der brasilianische Verband einen Deal ab, welchen es in dieser Größenordnung bis dahin noch nie gegeben hat: 160 Millionen US-Dollar für den Platz auf dem Trikot der Brasilianer!  Was im Jahr 2018 wohl ein absolutes Schnäppchen wäre, wurde damals zu einer großen Last für Ronaldo und Konsorten.

Dieser enormen Erwartungshaltung wurden die Brasilianer während des ganzen Turniers gerecht, bis zum 12. Juli 1998, dem Tag des Endspiels in Saint-Denis. Der Gastgeber aus Frankreich fertigte die Brasilianer und einen sehr schwachen Ronaldo mit einem klaren 3:0 ab. Der Superstar am Ende des Turniers hieß nicht Ronaldo, sondern Zinédine Zidane, der danach auch Frankeichs-, Europas-, und Weltfußballer des Jahres wurde. Somit triumphierte in Frankreich nicht nur die Équipe Tricolore, sondern auch deren und Zidane´s Ausrüster adidas – Ein heftiger Rückschlag für Nike!

Foto: Fauzan Saari

Nach der Weltmeisterschaft wurden in Brasilien die Stimmen vieler Kritiker immer lauter und so entstanden dann die wildesten Theorien zum Versagen der Seleção. Angeblich soll Nike einen enormen Druck auf den Verband und den Trainer ausgeübt haben, damit dieser Ronaldo und somit auch den Mercurial im Finale aufstellt. Das Kuriose: Der junge Brasilianer stand vor dem Finale nicht auf dem Spielberichtsbogen. Und für diesen Umstand gab es gute Gründe…

Roberto Carlos: „Ronaldo stirbt!“

„Ronaldo stirbt!“ – Dieser kurze und durchaus schockierende Hilferuf von Roberto Carlos fiel um 14.03 Uhr, also wenige Stunden vor dem Anpfiff, im Teamhotel der Brasilianer. Was war passiert? Nach dem Mittagessen zogen sich Roberto Carlos und Zimmerkollege Ronaldo zurück, um die Ruhe vor dem Sturm genießen zu können. Doch dann kam es anders: Ronaldo verkrampfte, hatte Schaum vor dem Mund und schlug sich während seines Anfalls selbst. Die Teamkollegen eilten herbei und sorgten dafür, dass der junge Ronaldo nicht an seiner eigenen Zunge ersticken konnte – Krass!

Während die schockierte Mannschaft in Richtung Stade de France fuhr, um das Finale gegen Frankreich zu bestreiten, war der junge Ronaldo auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Untersuchungen blieben ohne Ergebnis, aber die Ärzte rieten Ronaldo, dass er im Finale besser nicht spielen solle. Das war dann übrigens auch der Grund, weshalb die Nummer 9 der Brasilianer nicht auf dem Aufstellungsbogen erschien.

Doch dann passierte das, was kein Spieler oder Funktionär der Brasilianer erwartete: Ronaldo erschien im Stade de France! Allerdings nur physisch, denn er war bleich und wirkte abwesend. Das spiegelte sich dann eben auch auf dem Spielfeld wieder…

Geschichte des Nike Mercurial: Verschwörungstheorien

Seitdem kamen immer wieder neue Theorien zu diesem mysteriösen Vorfall und dem Finale selbst auf. Bis in die Gegenwart behaupten Fans, dass Nike die Hauptschuld am Versagen tragen würde. Es stand viel Geld auf dem Spiel, weshalb der US-Konzern die Verantwortlichen zur Aufstellung von Ronaldo gedrängt haben soll. Aber was sagt Ronaldo eigentlich zu den Vorwürfen?

 

Sie wollten nur, dass ich ihre schuhe trage und tore schiesse. ich hoffe, dass meine Wahrheit Sie zufriedenstellt, denn es gibt viele, viele Wahrheiten. Es liegt nun an Ihnen, darüber zu entscheiden, welche Wahrheit die wahre Wahrheit ist, und sie hinterher zu analysieren.“

Neben dieser Theorie, behaupten viele Brasilianer, dass das Finale verkauft wurde und die Südamerikaner deshalb so lustlos gespielt hätten. Der Deal soll angeblich mit der FIFA geschlossen worden sein. Dafür sollen die Brasilianer 23 Millionen US-Dollar, eine günstige Gruppenkonstellation bei der WM 2002 und die Austragungsrechte für eine spätere WM in Brasilien bekommen haben – An dieser Stelle muss man sagen, dass diese Dinge ja tatsächlich so eintrafen (Weltmeister 2002 und Austragung der WM 2014).

Wahrheit oder Verschwörungstheorien?

Ob das jetzt einfach nur wilde Verschwörungstheorien sind, oder doch ein Fünkchen Wahrheit hinter der Story steckt, überlassen wir euch. Oder um es wie Ronaldo zu sagen: Es liegt nun an Ihnen, darüber zu entscheiden, welche Wahrheit die wahre Wahrheit ist, und sie hinterher zu analysieren.

In Teil 2 der Geschichte des Nike Mercurial kümmern wir uns um die WM 2002 und dem damit zusammenhängenden Triumph von Ronaldo und Nike!

Ein Gedanke zu „Die Geschichte des Nike Mercurial – Teil 1: Ronaldo stirbt!“

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  1. […] Spiel nicht auf den Platz gebracht. Woran das gelegen haben könnte, hatten wir ja bereits in diesem Artikel […]

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