Spätestens seit dem Hit „Liebe deine Stadt“ feat. Cat Ballou und Lukas Podolski ist Mo-Torres auch außerhalb seiner Heimatstadt Köln bekannt. Wir haben mit dem Rapper über seine Heimatstadt, seinen Herzensverein, RB Leipzig und Rap gesprochen. Gönn dir!

Moin Mo! Vielen Dank, dass du dich unseren Fragen stellst! Wie geht es dir?

Mo-Torres: Moin, sehr gerne doch! Ach, frag nicht, Bachelorarbeit, Kolloquium und all der Spaß sind gerade Hölle, aber ich will nicht klagen.

Was mich brennend interessiert: Wie kamst du auf den Namen Mo-Torres? Mein erster Gedanke war Fernando Torres, liege ich richtig?

Mo-Torres: Teilweise, tatsächlich war Torres zu der Zeit meiner Namensgebung auch mein Lieblingsspieler, aber Torre heißt so viel wie „Turm“ auf Spanisch, und als kleiner Panz (Kind) haben mich die einheimischen Jungs und Mädels im Urlaub in Spanien als langer und schmaler Typ immer „Torre“ genannt.

Du bist mit deinem Partner Darius Zander vor der Südtribüne im RheinEnergieStadion aufgetreten, sicherlich ein Kindheitstraum der vor dem Spiel gegen RB Leipzig in Erfüllung ging! Wie war es?

Mo-Torres: Unfassbares Gefühl, vor knapp 50.000 Fans in meinem zweiten Wohnzimmer auf dem heiligen Rasen aufzutreten ist schwer zu beschreiben! Kann ich wirklich nicht in Worte fassen!

Das Spiel endete 1:1 und wird wohl nicht in die Geschichtsbücher der Liga eingehen. Wo wir gerade beim Thema sind, ist RB Leipzig in deinen Augen ein Projekt? Oder doch ein Verein?

Mo-Torres: Natürlich Projekt und nichts anderes.

Wie siehst du die Zukunft der Bundesliga? Siehst du die steigenden Ablösesummen und die zunehmende Kommerzialisierung der Liga als Gefahr an?

Mo-Torres: Schwieriges Thema, Fußball wird immer mehr zum Marketing-Instrument und die Spieler sind zugeballert mit irgendwelchen Sponsoring-Verträgen von Sportausstattern, Modedesignern, Pflegeprodukten oder Rucksackherstellern. Als Fan vermisst man natürlich die Typen, die noch vor 15 Jahren auf dem Platz standen und die nach den Spielen vor den Mikros standen und gesagt haben, was sie wirklich denken. Ist halt alles mehr zu einem Event geworden, wo glatte Typen gefordert werden und das, was außerhalb des Platzes passiert fast genauso wichtig ist, wie das, was auf dem Platz geleistet wird. Steigende Ablösesummen sind aufgrund des Marktvolumens des Marktes „Fußball“ da nur die logische Folge. Früher kaufte man sich die Bravo Sport und hing sich die Poster von Ronaldo, Zidane und Polster ins Zimmer. Heute kauft man die neue Duschkollektion und das passende Parfum von Cristiano Ronaldo. Zeiten ändern sich (leider).

Cristiano Ronaldo ist ein gutes Stichwort.. Wen würdest du zum 1. FC Köln holen, Ronaldo oder Messi?

Mo-Torres: Messi weil er teamorientierter spielt und mich mit seiner Technik und Wendigkeit immer wieder heftigst beeindruckt. Auch seine tödlichen Pässe sind übel! Seine Schüsse von rechts mit links ins kurze Eck, Traum! Seine Spielweise sagt mir einfach viel mehr zu als die von CR7

Spielst du auch aktiv Fußball? Welche Position bekleidest du?

Mo-Torres: Bis zu einer Knieverletzung vor drei Jahren habe ich aktiv gespielt, auf der 10er-Position natürlich, Spielmacher Mo 🙂

Apropos Spielmacher.. Wer ist aktuell dein Favorit im Kader?

Mo-Torres: Modeste trifft natürlich wie ein Wahnsinniger und auch die Art und Weise ist schon extrem hervorzuheben, auch wenn er hier und da den Blick für den Nebenmann verliert. Ansonsten sind Kess (Anm. d. Red.: gemeint ist Torwart Thomas Kessler) und Clemens gute Kollegen, die ich auch außerhalb der fußballerischen Fähigkeiten sehr schätze!

Du bist für einen Tag lang Bundesliga-Profi. Was würde dich am meisten interessieren?

Mo-Torres: Für nur einen Tag ist´s schwer denke ich. Wenn, dann würde ich mir einen Derby-Spieltag aussuchen. Da würde mich am meisten interessieren, wie man als Spieler die Stimmung im Müngersdorfer Stadion wahrnimmt und was sie mit einem macht. Und natürlich, wie sich ein eigener Treffer vor heimischer Kulisse anfühlt.

In Köln ist der Enthusiasmus immer relativ groß. Was traust du dem FC in dieser Saison zu? Ist Europa drin?

Mo-Torres: Klar ist Europa drin, dafür muss natürlich sehr viel passen, aber warum nicht?! Mainz, Frankfurt und Augsburg haben es in den letzten Jahren doch vorgemacht

Wie sieht ein perfekter Spieltag für Mo-Torres aus?

Mo-Torres: 25 Grad, Sonne, Treffen mit den Jungs um 13:30 am Kiosk am Milli auf 2-3 Bier und dann langsam Richtung Stadion schlendern, Derby schauen, 4:0 gewinnen, dann in die Kneipe, Schocken und 5 Stunden später, rotzevoll nach Hause.

Mittlerweile zieht es immer mehr Stars nach China. Vor dem einem Hallenturnier in Gummersbach hast du mit Lukas Podolski über eine Rückkehr zum FC verhandelt, wie verliefen die Gespräche? Istanbul, Köln oder China?

Mo-Torres: (lacht) Das war natürlich nicht allzu ernst gemeint. Ich weiß gar nicht mehr, worüber wir wirklich geredet haben, aber ich bin bestimmt nicht der 10.000 der ihn auf das Thema anspricht, ich lasse mich da einfach überraschen, würde mir natürlich für mich und für diese Stadt wünschen, dass er seinen Weg zurück in die Domstadt findet, wenn möglich noch als Aktiver!

Auch in deiner Heimatstadt ist der Straßenfußball gefragter denn je. Was macht das kicken auf Beton aus? Wann warst du das letzte Mal auf dem örtlichen Bolzplatz?

Mo-Torres: Dank meinem Knie ist das schon was länger her. Aber das ist für mich einfach der Ursprung meiner Fußball-Affinität, zwei Eisentore, abgewrackter Derbystar-Ball, 5 gegen 5 und ab dafür. Kein Schiedsrichter, alles wird untereinander geregelt und der Bessere gewinnt, ohne das Fußball dabei zu einer eigenen Wissenschaft und einem Event wird! Asche fressen und zerfressene Fußballsachen, Traum!

Musik und Fußball gehören für dich zusammen, weil..?

Mo-Torres: ..beides ein großer Teil meines Lebens ist!

Kommen wir also zur Musik. Auch da spielt Lukas Podolski eine Rolle. Denn Ende 2016 kam der Song „Liebe deine Stadt“ online. Mittlerweile wurde das Video 1,4 Millionen angeklickt.Wie kam der Kontakt zu Lukas Podolski zustande? Wie verlief die Zusammenarbeit mit Lukas und Cat Ballou? Hast du mit einem so großen öffentlichen Interesse gerechnet?

Mo-Torres: Der Kontakt kam über unseren gemeinsamen Barbier zustande, die Zusammenarbeit mit ihm und den Katzen war natürlich etwas ganz besonderes und der Song, der dabei raus gekommen ist, ist uns meiner Meinung nach wirklich gelungen, ich höre ihn oft 😀 Mit so einem Interesse und einer so geilen Chart-Platzierung hat keiner von uns gerechnet, umso fantastischer ist all das, was um dieses Lied herum bis dato passiert ist und hoffentlich noch passieren wird.

In Köln gibt es natürlich auch eine große Hip-Hop/Rap Szene. War das schon immer so? Oder liegt das am Hype 2.0 den der deutsche „Sprechgesang“ momentan erfährt?

Mo-Torres: Wir haben schon lange eine gute Untergrund-Szene in der Domstadt. Ob es die Jungs von Bezirk Zwo sind, Benyo Hussein und Fly, Cengiz, Timeless, Splinta823, Jascha und und und.. Da gibt es wirklich einige, die extrem stark sind! All die genannten sind auch schon lange vor dem neuen Rap-Hype am Start gewesen.

Auch außerhalb der Domstadt floriert der deutsche Rap, Bonez MC und RAF Camora stürmten mit „Palmen aus Plastik“ die Charts. Wie erklärst du dir diesen plötzlichen Erfolg? Was macht diesen Style so besonders? Warum hast du dir das Album zugelegt?

Mo-Torres: Unfassbares Album, ich hab mir direkt die Box geholt, RAF feier ich schon seit 5 Jahren. Das was die beiden da geschaffen haben kombiniert halt trendige Afrotrap-Sounds mit Dancehall auf eine so massen taugliche Art, dass ein Hype zu erwarten war. Natürlich nicht in diesem extremen Ausmaß. Ich gönne es den Beiden, vor allem RAF, der schon seit Jahren zu den talentiertesten und fleißigsten Typen im Game gehört.

Früher wurden Rapper öfters als „nicht gesellschaftsfähig“ oder gar „asozial“ abgestempelt. Mittlerweile finden sich Rapper auf Preisverleihungen, bei großen Events oder halt im Stadion.. Wie erklärst du dir diesen Wandel?

Mo-Torres: Naja, auch heute noch begegnen dir viele mit „Yo Yo Yo“ und irgendwelchen spastischen Handbewegungen, wenn du erzählst, dass du Rapper bist. Die Jungs die heute, wie ich Ende 20 sind, sind halt schon mit Rap aufgewachsen, die nachkommende Jugend-Generation ebenso. Da ist so eine Entwicklung eigentlich nur logisch. In 10-15 Jahren sitzen in den entscheidenden Positionen der Musikindustrie prozentual sehr viele Entscheidungsträger, die mit Rap aufgewachsen sind. Mittlerweile ist es in Deutschland ja nach Pop/Schlager das zweit wichtigste Genre in der deutschen Musiklandschaft – zurecht hoffentlich bald das Stärkste.

Wer hat dich musikalisch am meisten geprägt? Wohin geht die musikalische Reise in diesem Jahr? Hast du ein Album geplant?

Mo-Torres: Da gibt es einige. Von den Wise Guys, den Bläck Föös und Willi Ostermann über Kool Savas, Bushido bis hin zu meinem Vater. Ganz breites Spektrum also 🙂 Dieses Jahr ist auf jeden Fall ein Release geplant, ob es ein Album wird oder eine EP oder sonstwas weiß ich aber noch nicht und will mich auch nicht festlegen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Insider Tipp für die Leser, welche tollen Orte/Aktivitäten sollte man in Köln (außerhalb des Stadions) auf gar keinen Fall verpassen?

Mo-Torres: Als Ort sollte man definitiv das Edelweißpiraten-Mahnmal am Bahnhof Ehrenfeld besuchen, absolute Vorbilder! Und an Aktivitäten sollte man definitiv essen gehen, Kebapland und die Taverne Alekos empfehle ich aus tiefstem Herzen jedem!

Vielen Dank für das Interview Mo. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und bleiben am Ball!   

Mo-Torres: Kein Thema, sehr gerne!

 

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Bildmaterial: Moritz Döring 

 

 

 

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