Vom Hoch ins Tief und zurück. Wir alle kennen diese Phasen im Leben. In Hamburg herrscht seit Monaten aus fußballerischer Sicht gesehen Stillstand. Die Medien prügeln dauerhaft auf den HSV ein und beim FC St. Pauli läuft es auch nicht besser. Da der HSV momentan im medialen Kreuzfeuer steht, möchte ich mich in diesem Artikel voll und ganz auf die Kicker von der Reeperbahn konzentrieren. Wer oder was rettet den FC St. Pauli noch? Weshalb wäre es nicht gut für die 2. Bundesliga wenn die Kiezkicker absteigen? Ist es an der Zeit Ewald Lienen zu beurlauben? Fragen über Fragen..

FC St. Pauli – Ein Abstieg wäre eine Katastrophe

Es fing alles so toll an. Vor der Saison befand sich das Team von Trainer Ewald Lienen im Trainingslager in Österreich. Zu der Zeit befand ich mich am Millerntor und durfte mir das neue Trikot der Paulianer anschauen. Dort herrschte eine ziemlich optimistische Stimmung. Auch ich erwartete eine ähnlich gute Saison wie im Vorjahr. Neben dem neuen Ausrüster Under Armour gab es einen neuen Spielertunnel und Investitionen in die Jugendarbeit am Millerntor. Hier findest du den entsprechenden Artikel dazu.

In der Vorsaison 2015/2016 spielten die Hamburger eine grandiose Saison und landeten am Ende auf dem 4. Platz. Mit dem Rennen um den Aufstieg hatte man zwar nichts am Hut (12 Punkte auf Platz 3), aber das Team überzeugte dennoch. Und was passiert wenn ein Team sehr gut funktioniert und trotzdem nicht aufsteigt? Dann kommen öfters die Teams mit entsprechenden finanziellen Mitteln und kaufen sich die besten Akteure solcher Teams. So lief es im Sommer 2016 auch auf St. Pauli ab. Leistungsträger wie Marc Rzatkowski (zu Red Bull Salzburg, 2 Millionen €), Ante Budimir (Crotone, 1 Millionen €) oder Lennart Thy (Werder Bremen, ablösefrei) verließen Hamburg. In der Regel wird dann natürlich für Ersatz gesorgt um solche Lücken zu schließen. Dies war in diesem Sommer aufgrund der überhitzten Preise auf dem Transfermarkt und der knappen Kasse am Millerntor ziemlich schwierig. Von den Zugängen schlug eigentlich nur der aus Sandhausen gekommene Aziz Bouhaddouz (11 Spiele, 3 Tore, 1 Assist) halbwegs ein.

Aber ist der Kader wirklich der einzige Grund für die sportliche Talfahrt? Geht man nach den Marktwerten bewegt sich der FC St. Pauli nämlich im Mittelfeld der Liga (15,88 Millionen Marktwert). Aber kann das alleine ausschlaggebend sein? Die Antwort ist klar: Geld schießt halt keine Tore (2€ ins Phrasenschwein). Am Beispiel von Dynamo Dresden wird diese These gestützt. Die Dresdener haben mit 10,58 Millionen Euro den vermeintlich schwächsten Kader der Liga. Dennoch steht man dort auf einem grandiosen 6. Platz in Schlagdistanz zu den Teams an der Spitze. Aber was macht St. Pauli dann so schlecht? Fangen wir doch mit Ewald Lienen an..

Ewald Lienen beurlauben? Schwierig..

Wie Anfangs erwähnt spielte der FC St. Pauli in der letzten Saison unter Trainer Ewald Lienen eine gute Runde. Der Coach bringt einiges an Erfahrung mit und ist unter den Fans sehr beliebt. Für mich ist Ewald Lienen im schnellebigen Geschäft rund um den Ball eine lebende Legende. Er ist genau das Gegenteil zu den viel zitierten Laptop-Trainern wie Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel. Ewald Lienen steht für harte und ehrliche Arbeit auf dem Platz. Und genau das passt zu St. Pauli. Dort gibt es keine Allüren, der Kiez ist rau, aber ehrlich. Ewald Lienen ebenfalls.

Und falls man den Trainer wirklich absägen sollte: Wer sollte diesen Job erledigen? Ich sehe keine andere Option. Deshalb würde ich am Coach festhalten und in der Winterpause den Kader verstärken. Man hat nur noch 3 Spiele gegen Lautern, Fürth und Bochum zu „überstehen“, dann kann man sich neu sortieren.Sieht auch der Geschäftsführer Andreas Rettig so und lässt die Diskussion um den Trainer im Keim ersticken:

„Nach dieser Leistung finden wir nicht, dass wir am Trainer rütteln müssen.Es ist eine schwierige Situation für uns. Aber St. Pauli ist bekannt dafür, dass wir zusammenrücken – gerade wenn es eng wird.“

 

Es sind zwar 5 Punkte Rückstand auf Platz 15, aber die Lage ist nicht so aussichtslos wie manch ein Fan vermutet. Und wenn wir schon bei den Fans des FC St. Pauli sind: Die Fans sind ein ganz wichtiger Faktor..

St. Pauli Auswärts – Grandios!

Auch wenn ich kein aktiver St. Pauli Fan bin, diese Fans hätten einen Abstieg nicht verdient. Zum Spiel in Heidenheim (600 Kilometer!!) wurde die Mannschaft von 1000 lautstarken Paulianern begleitet. Vor meinem heimischen TV waren in den 90 Minuten so gut wie immer die Fans des FC St. Pauli zu hören. Trotz eisiger Temperaturen (Naja, für echte Hamburger sind 4 Grad ja schon fast Sommer) feuerten Sie die Kiezkicker an. Leider wurde dieses Engagement nicht von der Mannschaft belohnt. Mit diesen großartigen Fans muss einfach viel mehr drin sein. Ich hoffe, dass diese Leute sehr bald wieder was vom Team zurück bekommen. Für die 3. Liga wären diese Fans zwar eine Bereicherung, aber die 2. Liga würde einen herben Verlust einfahren. Aber so weit möchte ich nicht gehen. Ich glaube fest an einen Verbleib, egal wie aussichtslos es momentan aussieht am Millerntor. Doch was muss nun passieren?

Sinnvolle Wintertransfers und einen Tritt in den Arsch

Die große Kohle für Transfers im Winter ist nicht vorhanden, trotzdem versuchten und versuchen Präsident Oke Göttlich und Geschäftsführer Andreas Rettig die Kiezkicker finanziell zu stärken. Bloß passieren solche Entwicklungen nicht über Nacht. Dennoch muss jetzt was passieren. Die Zeit läuft und es muss eine sehr sehr gute Rückrunde gespielt werden. Dazu werden dringend neue Kräfte benötigt. Doch welche Spieler können sich schnell beim FC St. Pauli einbringen und kosten keine riesigen Summen? Laut der „Hamburger Morgenpost“ hat man schon konkrete Pläne: Es sollen ein Sechser, ein Stürmer und zwei offensive Mittelfeldspieler an die Elbe kommen.

Milos Jojic – 1. FC Köln

Ich denke man sollte sich in erster Linie mit Spielern verstärken die Abstiegskampf können und/oder einfach Erfahrung mit auf den Kiez bringen. In der Offensive wäre es gut einen kreativen Kopf zu haben, welcher die Stürmer mit Bällen füttern kann. Und da fällt mir direkt Milos Jojic vom 1. FC Köln ein. Der Kölner Trainer Peter Stöger setzt nicht auf Milos Jojic. Was nicht unbedingt an den Qualitäten des zentralen Mittelfeldspielers liegen muss, denn in Köln läuft es momentan ziemlich gut und der Kader ist auf jeder Position sehr gut besetzt. Nun sitzt der aus Dortmund gekommene Jojic schon seit fast 2 Jahren meistens auf der Bank. Wenn er ran durfte konnte er ab und zu seine spielerische Genialität aufblitzen lassen. Vom Hocker hat er damit aber niemanden gehauen. Also warum nicht bis zum Sommer als Leihgabe in Hamburg kicken? Köln würde einem unzufriedenen Spieler die benötigte Spielpraxis geben, Jojic könnte sich für einen Transfer im Sommer empfehlen, Pauli würde bei geringem finanziellen Risiko womöglich einen Top Kreativspieler gewinnen können – Win-Win-Win-Situation!

Lennart Thy – Werder Bremen

In Hamburg sagt man „Tschüß“ – so lautet ein bekanntes Sprichwort im Norden. In Hamburg könnte man bald aber auch wieder einen alten Bekannten mit einem hoffnungsvollen „Moin“ begrüßen können. Lennart Thy kam bei Werder in dieser Saison auf ganze 6 Einsätze und erzielte 1 Tor. Viel zu wenig für einen Stürmer der mit großen Zielen zurück zu seinem Jugendclub an die Weser kam. Da lief es in der vergangenen Saison am Millerntor deutlich besser für ihn. Er traf in 30 Spielen immerhin 8 Mal und bereitete 4 Treffer vor. Auch bei Thy wäre eine Leihgabe bis zum Sommer oder ein Kauf zu guten Konditionen ziemlich attraktiv, denn Thy braucht keine Eingewöhnungsphase am Millerntor. Und eben genau diese Zeit hat man in Hamburg eh nicht, also warum nicht auf altbewährte Lösungen setzen?

Sören Brandy – Union Berlin

Wenn man einen Stürmer sucht der 2. Liga kann, und momentan nicht wirklich zufrieden mit seinen Einsatzzeiten sein dürfte, kommt man an Sören Brandy von Union Berlin nicht vorbei. Ganze 14 Minuten Einsatzzeit bekam Brandy in dieser Saison. Und da hätten wir schon den ersten Knackpunkt: Brandy dürfte aufgrund mangelnder Spielzeit etwas Anlaufzeit benötigen. Aber irgendwo muss der FC St. Pauli auch einen Kompromiss eingehen, denn einen Stammspieler der regelmäßig trifft wird man nicht für´s Millerntor begeistern können. Brandy ist ein treffsicherer Stürmer, wenn er denn spielt.. Zudem ist er in der Offensive auch variabel einssetzbar, was es für Ewald Lienen natürlich leichter machen würde die Mannschaft auch im Spiel umstellen zu können. Fazit: Ein Brandy Transfer hat was von ner Wundertüte – Könnte auch Schrott sein.

Rani Khedira – RB Leipzig

Auch bei Rani Khedira weiß man nicht ob er direkt eine Verstärkung auf der 6 wäre, denn er kommt in Leipzig nicht zum Einsatz. Da wäre ein Transfer von seinem großen Bruder Sami Khedira sicherlich hilfreicher. Aber dafür müsste man in Hamburg wohl eine Hypothek auf´s Millerntor aufnehmen. Also bleiben wir bei Rani. Rani Khedira ist erst 22 Jahre jung und besitzt definitiv noch Entwicklungspotenzial. Er dürfte sich in der 2. Liga gut auskennen, dort kickte er im vergangenen Jahr noch mit RB Leipzig. Weiterer Pluspunkt für einen Transfer: Im Sommer ist Khedira ablösefrei, heißt: RB könnte im kommenden Transferfenster noch einen Erlös erwirtschaften. Sportlich gesehen wäre es kein Verlust für Leipzig, denn Khedira kam in dieser Saison erst 3 Minuten zum Einsatz. Und ähnlich wie bei Brandy müsste er trotz fehlender Spielpraxis sofort zünden. Dennoch fände ich diesen Transfer ziemlich gut. Ewald Lienen würde Khedira schnell integrieren können und dieser könnte die Abwehr aus dem Mittelfeld heraus unterstützen. Zudem wird RB dem Spieler wohl keine Steine in den Weg legen.

Tritt in den Arsch – Hamburg

Tritt in den Arsch ist auf jeder Position einsetzbar. Auch finanziell geht man mit Tritt in den Arsch null Risiko ein. Es muss jetzt einfach knallen in der Winterpause. Nicht zu doll, aber den Spielern muss es bewusst werden. Die Akteure müssen St. Pauli leben. Es muss mit den Fans gemeinsam einen Fight durch die Rückrunde geben. Und genau dann sehe ich auch eine Chance für Pauli. Wenn die möglichen Neuzugänge einschlagen und die formschwachen Spieler wieder in Tritt kommen sieht es nicht so schlecht aus. Mit Ewald Lienen würde ich definitiv weiter arbeiten, denn er erreicht die Mannschaft denke ich.

Ohne den FC St. Pauli geht halt auch nicht – Kämpfen ist angesagt

Da mein persönlicher Weg 2017 nach Hamburg führen wird und ich dann logischerweise gerne Flutlichtspiele am Millerntor erleben möchte, wäre es sehr gut, wenn die Mannschaft die Kurve kriegt. Und nicht nur für mich persönlich wäre ein Abstieg von Pauli tragisch. Neben den finanziellen Problemen die durch fehlende TV-Gelder fehlen würden, wäre es dann auch schwer wieder den Aufstieg in Liga 2 zu schaffen. Zudem gehört St. Pauli zu Hamburg. Und zum Profifußball. Ich glaube jeder Fan feiert die Fahrten in die norddeutsche Metropole hart ab. Also liebe Kiezkicker, zeigt was ihr könnt! Für euren Verein, für eure Fans, für die Menschen die euch in ganz Deutschland feiern und natürlich für euch selbst.

Was glaubst du? Bekommt der FC St. Pauli noch die Kurve? Sollte man den Trainer austauschen? Oder liegt es in der Tat nur am Kader?

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